Erpresser drohen mit Google-Herabstufung

Wir berichteten bereits über das Phänomen des sog. „Negativ-SEO“ durch Mitbewerber und dessen gravierende Auswirkungen für Onlineshop-Betreiber.

SEO (Suchmaschinenoptimierung) bezeichnet Maßnahmen, mit denen Einfluss auf die eigene Platzierung in unbezahlten Suchmaschinenergebnissen genommen wird. Das genaue Zustandekommen des Rankings hält Google zwar als oberstes Betriebsgeheimnis unter Verschluss, einige Punkte sind aber bekannt. Eine Verbesserung des Rankings kann so durch eine Optimierung des Seiteninhalts in Form von Formatierungen, Tags, Linkstrukturen und die Auswahl geeigneter Keywords erzielt werden. Mit „Negativ-SEO“ versuchen fiese Webbetreiber, Konkurrenz-Seiten downzuranken, um sich selbst einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.

 

Spielzeug-Onlineshop mit Badlinks erpresst

Da hierdurch für die Betreiber von Onlineshops massive Umsatzeinbußen drohen, verwundert es nicht, dass auch die Cyber-Kriminalität auf den Plan gerufen wurde. Wie das Onlineportal Golem berichtete, wurde der Betreiber eines Shops für Holzspielzeug damit erpresst, den Absturz seiner Webseite im Google-Ranking nur durch die Zahlung von 5.000 € verhindern zu können. Nachdem der Händler nicht zahlen wollte, sorgte der Erpresser durch das Setzen von sog. „Badlinks“ in überwiegend osteuropäischen, asiatischen und arabischen Foren dafür, dass der Shop im Google-Ranking deutlich nach unten rutschte. Der Erpresser erstellte mit technischen Hilfsmitteln mehr als 500 Nutzerprofile, mit denen er durch mehrfache Verlinkung aus einzelnen Domains tausende Badlinks generierte. Mit wirtschaftlich katastrophalen Folgen. Nach Angaben des Holzspielzeughändlers sackte sein Umsatz dadurch um 75 % ein.

 

Rechtliche Folgen der Erpressung mit Negativ-SEO

So hoch die wirtschaftlichen Konsequenzen für die Betreiber sind, so massiv sind auch die straf- und zivilrechtlichen Konsequenzen für den Erpresser:

Strafrechtlich erfüllt dieses Verhalten den Tatbestand der Erpressung nach § 253 StGB (Strafgesetzbuch). Die Erpressung ist strafrechtlich nicht das, was man als Kavaliersdelikt bezeichnen würde, steht für den Täter doch eine Freiheitsstrafe von bis zu 5 Jahren oder Geldstrafe in Aussicht. Handelt der Täter gewerbsmäßig oder als Mitglied einer Bande, sieht das Gesetz eine Freiheitsstrafe nicht unter 1 Jahr vor.

Unabhängig von diesen strafrechtlichen Konsequenzen muss sich der Erpresser darauf einstellen, auch zivilrechtlich auf Schadensersatz in Anspruch genommen zu werden. „Negativ-SEO“ stellt einen Eingriff in das Recht des Händlers auf den eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb nach § 823 Abs. 1 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) dar. Der Täter haftet für alle aus der Rankingmanipulation entstandenen Schäden. Bei gut laufenden Shops können so durch massive Umsatzeinbuße hohe Schadenssummen entstehen, da der zu ersetzende Schaden nach § 252 BGB auch den entgangenen Gewinn umfasst. Problematisch ist freilich auch die Widerherstellung des status quo im Google-Ranking. Eine direkte Schnittstelle für diese Probleme hält Google nicht bereit. Den Betroffenen bleibt nur der Umweg über Googles Webmaster Tool, womit jeder negativ besetzte Link einzeln erkannt und als Spam gemeldet werden müsste. Bedient sich der Händler für diesen zeitaufwendigen Akt eines IT-Spezialisten, muss der Erpresser auch dessen Rechnung als Schadensersatz zahlen. Zu guter Letzt wird sich der Händler bei derart massiven Rechtsverletzungen anwaltlich beraten lassen. Auch diese Kosten und ggf. die Kosten eines nachfolgenden Gerichtsverfahrens kann der Händler von dem Erpresser verlangen. Daneben steht dem Händler ein Unterlassungsanspruch gegen den Erpresser zu, der ihn vor zukünftigen Eingriffen in seinen Gewerbebetrieb schützt.

 

Identifizierung von Online-Erpressern ist schwierig

Fraglich bleibt aber, ob der Geschädigte seine zivilrechtlichen Ansprüche auch durchsetzen kann. Im Fall des Holzspielzeughändlers konnte der Täter nicht ermittelt werden. Selbst wenn der Erpresser identifiziert werden würde, müsste der Händler vor Gericht beweisen, dass der Erpresser hinter den mit unterschiedlichen Namen, E-Mailadressen, ICQ-Nummern und Herkunftsangaben erstellten Forenprofilen steckt, auf denen die Badlinks gesetzt wurden.

 
 
Ein Gastbeitrag von Jakob Wahlers, Rechtsanwalt für IT- und Datenschutzrecht in der Medienrechtskanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE aus Köln

 

6 Gedanken zu „Erpresser drohen mit Google-Herabstufung

  1. Das ist natürlich hart muss man schon ehrlich sagen ! Was mich aber wundert ist das sowas erst jetzt passiert…..
    Aber solchen menschen sollte man das handwerk legen ganz ehrlich gesagt.

  2. Ich bin mir nicht sicher, ob es wirklich einen Bad-Link gibt. Ich vermute das absacken bei Google kam eher dadurch zustande, dass Google eine intensive und nicht erlaubte Werbekampagne vermutete und deshalb die Filter griffen. Es kann ja nicht sein, dass eine Seite an einem bzw. 2 oder 3 Tagen plötzlich mehr als 500 Links dazubekommt…deshalb hat Google einen Filter eingebaut, der diese betroffene Seite dann erst einmal zur Seite stellt. Nach einiger Zeit, wenn die Filter nicht mehr greifen, dann müsste die Seite aber wieder auftauchen..es ist als nicht endgültig!

  3. Bin auf diese älteren Meldungen gestoßen und kann klar sagen, dass es keine BadLinks gibt. Google versucht natürlich kein NegativRanking zu ermöglichen! Dann hätten wir bald ein Herr von Anti-SEO Firmen, die damit ihr Geld verdienen andere aus den serps zu schiessen…

  4. Hallo zusammen, ich kann mich Michael und „Fotos La Palma“ nur anschließen. Ich meine so reine Bad-Links gibt es nicht. Jedoch sollte man aufpassen, wenn man sich auf einer Seite die klar als SEO Seite erkannt wird, einen Link „organisiert“ so könnte dies bei Google einen negativen Effekt auslösen… aber vermutlich auch nur, wenn man bei zahlreichen SEO Seiten auffällt.

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